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Iiro Rantala – Lost Heroes

Esbjörn Svensson – ein Begriff? Was für eine Frage, oder! Einer der wohl stilprägendsten Jazz-Pianisten Europas, der leider viel zu früh ums Leben gekommen ist. Ich hatte das Glück, den Schweden zweimal live mit dem E.S.T. hören zu dürfen. Wohl mit die besten Konzerte, die ich je miterlebt habe. Daher bin ich beim Blättern durch ein Online-Musik-Portal sofort hängen geblieben, als sein Name auftauchte. Bei der Reihe Jazz at Berlin Philharmonic, einer Konzertserie, die aktuell eine «Heldenverehrung» für den Schwedischen Ausnahme-Pianist aufgenommen hat – von und mit dem finnischen Komponisten und Jazz-Virtuosen Iiro Rantala.

«Tränenreiches Tribut» an Vorbilder

Das Berliner Live-Album ist bestellt. In der Zwischenzeit habe ich bei Tidal in ein älteres Werk des Finnen reingehört: «Lost Heroes» (2001, ACT 9504-2), mehrfach prämiert und eine Liebeserklärung an Klassik- und Jazzgrössen wie Jean Sibelius, Art Tatum oder Oscar Peterson.

«Tribut an Esbjörn» | Klaus Mümpfert (2005)

«Esbjörn Svensson live» | © Klaus Mümpfert (2005)

Auch Michel Pettruciani wird mit einem letzten Waltzer bedacht. Allesamt feinsinnig komponierte Stücke, geprägt vom faszinierenden Anschlag Rantalas. Und gepaart mit der erforderlichen Melancholie bei der Interpretation der Werke.

Der Höhepunkt des Albums ist zweifellos der sentimentale Abschied von Svensson. «Lost Tears for Esbjörn» zeigt, dass Rantala den Schweden zu seinen grossen Inspiratoren zählt. Dieses Stück atmet die Trauer und Erschütterung, die der tragischer Unfalltod Svenssons in der Jazzwelt hinterlassen hat. Der Track zieht einen sofort in seinen Bann. Nur konsequent, dass diese Intensität einen Berliner Konzertabend in der Philharmonie nach sich gezogen hat.

«Wie kommt das Piano ins Wohnzimmer?»

Übrigens ist der Klang von «Lost Heroes» ebenso besitzergreifend. Klar: ein Album von ACT. Wundert mich daher nicht wirklich, dass es durch eine eindrucksvolle, dynamische Klangqualität besticht. Als hätte mir jemand einen Konzertflügel ins Wohnzimmer gestellt und Iiro schaut mal eben vorbei… Ein Ästhet, der das Piano nicht elektronisch verfremdet, bei ihm «klingt es von sich aus schön».

Iiro Rantala Website

Mehr erfahren: Iiro Rantalas Website

Welch ein breites Klangspektrum die Stücke widerspiegeln. Klare eindrückliche Höhen, ein sanft, tiefgründiger Bass. Und mehr noch: Schnauft nicht hier und da der Pianist, vertieft in die Musik? Das gibt dem Album eine Lebendigkeit, wie sie oft auf alten Aufnahmen wie etwa von Pablo Casals oder Glenn Gould zu finden ist. Gleichzeitig spiegeln die Aufnahmen die Spielfreude eines Musikers wider, der es liebt, als Solist zu musizieren und seine Gestaltungskompetenz auszuleben. Ausdrucksstark zeigt das beispielsweise der Track «Donna Lee».

Last but not least ich kann Herrn Dombrowski nur zustimmen: «Lost Heroes» ist ein Meisterwerk, bei dem muss man sich einfach hinsetzen und zuhören!

Humorvoller Jazz – Weghören unmöglich

Man darf also gespannt auf das Berliner Konzert-Tribut an Svensson sein, an dem übrigens skandinavische Jazz-Allstars wie Lars Danielson und Viktoria Tolstoy mitgewirkt haben. Übrigens werde ich noch nachreichen, wie «Lost Heroes» auf Vinyl klingt. Der Tonträger ist bestellt. Damit «Happy Listening!» – und wie immer bin ich gespannt auf Reaktionen und Kommentare!

Was sind eigentlich Ihre Lieblings-Skandinavier/innen des Jazz?!


Sehenswert – Iiro Rantalas «Tears for Esbjörn»