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Off the cuff – Freddie Robinson

Nomen est omen. Crate Digging ist angesagt, heute wird ein wenig in der Plattenkiste gewühlt. Anfang der 1990er Jahre erschien eine LP, die meinen musikalischen Horizont ziemlich erweitert hat. Beim Zuhören. Beim Nachforschen. Damals gelang Galliano mit «In pursuit of the 13th Note» ein fantastisches Acid-Jazz-Debut. Ein Album, das sich auf die Schultern von Giganten des Jazz, Blues und R’n’B stützt.

«I can feel it coming on strong…»
Eines ihrer Stücke packt mich heute noch: «Coming on strong». Grossartig, wie Rhythmik, Bläser, MC ineinander verschmelzen und einen intensiven Vibe schaffen. Jahre später hat mich ein Studienfreund darauf hingewiesen, was einem beim aufmerksamen Lesen des Inlays nicht entgeht: Dass die Gitarren-Riffs von Freddie Robinsons Album «Off the cuff» sind (Dank’ dir, HCL, wo auch immer du steckst…).

Robinson, Gitarrist und Harmonika-Spieler, hat mit vielen Blues-, Soul- und R’n’B-Ikonen zusammengearbeitet. Sein Name findet sich auf Werken von Howlin’ Wolf (Spoonful, Wang Dang Doodle), Jerry Butler, John Mayall oder – nur als Intermezzo – bei Ray Charles. Auch die leider viel zu kurze Karriere von Little Walter hat er musikalisch untermauert.

«Deep, mellow jazzy blues»
Jetzt zu «Off the cuff». Bereits der gleichnamige Song als Auftakt des Albums zieht einen in Bann. Perlende Gitarrenriffs, quasi «aus dem Handgelenk geschüttelt», wie es der LP-Titel ankündigt. Ein vorwiegend instrumental angelegter Song, der später Galliano inspirieren sollte. Grossartig sind übrigens auch «Medicine Man» und «Smoking». Eine rhythmische Bläser-Sektion und Streicher legen die Basis, durchzogen von Fender Rhodes- und Blues Harp-Klängen.

Ein facettenreiches Album, mal lassen Plateau-Schuhe und Seventies grüssen, dann klingt es wieder nach purem Chicago Blues. Kein Zweifel, damit bewegt sich Robinson abseits vom archaischen Sound einiger Blues-Ikonen. Mit den orchestralen Elementen liebäugelt sein Soul-Funk stellenweise sogar mit dem Disco-Genre. Vielleicht ein Grund, warum «Off the cuff» in Ratings eher unterdurchschnittlich bewertet wird… Geschmacksache.

Freddie Robinson aka Abu Talib

Freddie Robinson aka Abu Talib

Abu Talib
Robinsons Musik wäre wohl populärer, hätte nicht der Stax-Konkurs dazwischen gefunkt. Dieser hat das Tochter-Label Enterprise mitgerissen, wo seine ersten Solo-Werke erschienen waren. Später konvertierte der Musiker zum Islam. Daher ist er beim Streifzug durchs Internet auch unter Abu Talib zu finden.

Schon reingehört?
Was meinen Sie zu «Off the cuff»? Welche Songs klingen nach? Kennen Sie andere Werken von Robinson? Und wie finden Sie Gallianos Debut-Album? Dazu sollte man mehr schreiben, oder? Happy Listening!

Lesenswert
Ein Nachruf auf Freddie Robinson (1939-2009) im Guardian

Ein Blog über sein Album «At the Drive-In» (1972) mit knisterndem Low-Fi Vinyl-Download


 

Hörenswert
«Off the cuff» in Gänze auf dem allseits bekannten Videoportal, m. E. unverdientermassen mit zu wenigen Views.