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Short cuts #3 – «Lavalampen-Lullabies»

Soll das jetzt nostalgisch sein? Oder Retro-Trend? Hat das Vintage-Charakter? Was auch immer – auf aktuellen Alben begegnet einem oft der Charme der 1960er/1970er Jahre. Fender-Amps satt auf Reverb gedreht, Slow Beats, etwas Surf-Rock-Atmosphäre. Wer Original-Alben aus dieser Zeit im Plattenschrank hat, mag müde mit den Schultern zucken. Aber lohnenswert ist ein Streifzug durch neuere Scheiben alle mal.

Lavalampe an, Verstärker aufgedreht, Nadel auf die LP – los geht’s!
Ehrlich gesagt, eine Lavalampe habe ich nie besessen. Aber manche Songs der nachfolgenden «Short cuts»-Liste erinnern an das wabernde warme Licht dieses Kultobjekts. An die fliessenden Formen blubbernden Magmas. An psychedelischen Lichterreigen, den Diskokugeln an Zimmerwände zaubern. An tief stehende Sonne, die sich in Cocktail-Gläsern spiegelt.

 

TommyGuerreroTommy Guerrero – No man’s land (2014) – Tommy Guerrero ist vor allem in der Skater-Szene bekannt. Hat sich dort in den 1980er Jahren mit der «Bones Brigade» als «godfather of street skating» einen Namen gemacht. Ende der 1990er erschien sein Debut und «No man’s land» ist sein siebtes Solo-Album. Eine gelungene Mischung von Italo-Western-Atmosphäre mit Morricone-Einschlag gepaart mit Dirty-Harry-Ambiente und cineastischem Flair. Daher m. E. gross: «The Gunslinger» und «The Stranger». Und gelegentlich blitzen Hip-Hop-Beats durch.

 

Skinshape OracoloSkinshape – Oracolo (2015) – Psychedelisch trifft die Musik von Will Dorey am Besten. Skinshape ist sein Solo-Projekt und seine Songs atmen den Sound der 1960er und 1970er Jahre. Er selbst sieht ihn irgendwo zwischen Trip-Hop, Soul, Reggae, Psychedelic und Funk. Vollgeladen mit Drum-Breaks und Beats (z. B. «Detroit»). Dazu sphärische Vocals, verschmolzen mit entrücktem Gitarren-Sound. Komplett produziert mit analoger Technik. Manchmal erinnern seine Songs an Portishead. Vermutlich ist deswegen auch «Rubber Gloves» ein Lieblingstrack von mir (Handschuh-Song Nr. 1).

 

Für Tidal-User – die Playlist zu den Stereotec-Shortcuts #3 «Lavalampen-Lullabies»  mit ausgewählten Songs!

 

KhruangbinKhruangbin – The universe smiles upon you (2015) – Zurück lehnen. Amp aufdrehen. Noch mehr Hall. Noch mehr Slow-Beat. Slide-Guitar Effekte. Als vor zwei Jahren die Late Night Tales von Bonobo rauskamen, hat der Track «A calf born in winter» des Texanischen Trios mit dem unaussprechlichen Namen all das gebündelt. Ordnen sich dem Thai-Funk der 1960er Jahre zu. Mehrheitlich instrumental ohne Vocals aufgenommen verbreiten die Songs Ruhe und zaubern einem psychedelische Farben ins Wohnzimmer. Und verbreiten den Charme exotischer Songs, die gut zu Tarantino-Soundtracks passen würden. «White Gloves» anhören (Handschuh-Song Nr. 2)!

 

Nostalgia77Nostalgia 77 – A journey too far (2013) – Fender Rhodes lässt grüssen. Bereits das Album «Sleepwalking Society» der britischen NuJazz-Truppe hat mich mitgerissen. Der zweite Long Player ist angereichter mit Josa Peit’s rauchiger Stimme, die den groovenden, Bläser-getriebenen Tracks Tiefe und Sphäre verleiht. Wo reiht man dieses Septet ein? Irgendwo zwischen psychedelischem Pop und Soul bzw. ‚cinematic jazz and blues‘. «Your love weighs a tonne» würde in einem 1970er Jahre Soundtrack ebenfalls nicht auffallen – oder eine aktuelle Retro-TV-Serie etablierter Video-Streaming-Dienste bereichern. Lieblings-Tracks meiner Kinder: «Angel with no halo» und «One».

 

Happy Listening! Die letztes Mal erwähnten «Komponisten», Folk- und Akustik-Alben sowie Klassik-LPs mussten noch warten. Folgen aber. Versprochen!