Short cuts #2 – Singer-Songwriter Part I
Auf den Schultern von Giganten. Woody Guthrie, Hank Williams, Bob Dylan, Pete Seeger, Joan Baez, Bert Jansch, John Renbourn, Georges Brassens, Leonard Cohen, Jeff Buckley, Sarah McLachlan und viele mehr. Die Liste von Musiker/innen, die Nomen est Omen ihre Musik bzw. Texte selber schreiben und performen – Singer-Songwriter eben – liesse sich endlos fortführen.
Auf der «Akustik-Welle» surfen…
Einer Gitarre Klänge zu entlocken ist simpel. Kunst wiederum ist: aus einfachen Akkorden eindrucksvolle Klanggebilde schaffen; dem Instrument Musik entlocken, die ergreift und wegträgt; Melodien komponieren, die in einem weiterschwingen, wenn das Lied zu Ende ist… Das sind für mich Eigenschaften, die viele Songs der nachfolgenden Alben haben. Zugegeben, nur eine erste kleine Auswahl. Ein Auftakt eben:
Ryan Adams – Live at Carnegie Hall (2015) – Hätte dieses Live-Album fast verpasst. Bin zufällig auf «Gimme something good» gestossen (Danke, Roman!). Wow! Ryans Songs sind live tiefgründig, bewegend, oft schmerzvoll-düster – zugleich ist er humorvoll-witzig, pure Standup-Comedy, z. B. zur Song-Liste: «I was so stoned when I wrote this list, it’s like so bad». Wohl kaum. Oft enttäuscht der Sound bei Live-Alben (u. a. leider bei Chris Cornells «Songbook»). Nicht so die makellose Performance von Adams. Man hört die Finger über die Saiten gleiten, die 180g-6LP-Box holt die Carnegie-Hall ‚crisp and clear‘ ins Wohnzimmer (so true, Ian!). Hat Gänsehaut-Garantie.
Matt Corby – Telluric (2016) – Ein Zufallsfund auf FIP Radio. Der Australier hatte 2007 eine Casting-Show in ‚Down Under‘ gewonnen. Seinen Songwriter-Wurzeln ist er trotzdem treu geblieben. «Telluric» ist mit Pop und Psychedelic angehauchter Folk, Soul-Elemente klingen durch, alles durchzogen von Matts sphärischem Gesang und sanften Bass-Linien. Mein Lieblings-Track: «Good to be alone». Hat er leider nicht live gespielt, als er im Juli 2016 in der Roten Fabrik Zürich war. Trotzdem grossartiges Konzert. Wer die «Live on the Resolution Tour (EP)» auf Vinyl hat – bitte, bitte bei mir melden! Interessiert ?
Kurt Vile – b’lieve i’m going down… (2015) – Hmm, seine Stimme und sein Sound sind vermutlich Geschmacksache. Aber m. E. gross! Ein ruhiges Album, dunkel, manchmal geradezu einsam – wie die Nachtstunden, in denen es laut Vile entstanden ist. Feinfühlige Lyrics, oft melancholisch-schwermütig, getragen von einem virtuosen Gitarristen. Kann dem Rolling Stone nur zustimmen: vielleicht sein bestes Album, clever und tiefsinnig. Ganz sicher kein Absturz, wie der Titel suggeriert. Meine Favoriten auf der Scheibe: «Pretty Pimpin» und «Kidding around». Spielerisch!
Aldous Harding – Same (2014/2016) – Und noch ein FIP-Fund. Diese Neuseeländerin bezaubert einen. Feenhafter Gesang. Ihre Songs sind durchdrungen von Wehmut und Schmerz. ‚Goth Folk‘ anscheinend. Bereits mit 15 Jahren hat sie mit dem Songwriting angefangen und Einflüsse aus der Musikszene der Hafenstadt Lyttleton aufgegriffen. Lyrics, die von Geburt und Tod, Liebe und Trennungsschmerz handeln. Absolut hörenswert ist ihr Dialog mit einer singenden Säge («Two bitten hearts»). Berührend auch «Titus Groan». Hoffentlich wird man von ihr noch viel hören. Ihre Europa-Tour ist leider schon durch… Das nächste Mal.
Happy Listening! Short Cuts #3 wird vermutlich «Komponisten» ins Visier nehmen. Oder noch ein paar Folk- und Akustik-Alben? Ausserdem ist Klassik überfällig, herrje…